Gesetzesänderungen, neue Förderregeln und steigende Energiekosten sorgen bei vielen Immobilieneigentümern für Unsicherheit. Gleichzeitig zeigt sich: Wer eine Heizungsmodernisierung sorgfältig plant, kann langfristig von niedrigeren Betriebskosten und einer zukunftssicheren Lösung profitieren. Warum die Wärmepumpe dabei zunehmend in den Fokus rückt und worauf Eigentümer achten sollten, erklärt Martin Kutschka von der febis Service GmbH im Interview mit unserem Informationsportal Wohnen und Finanzieren. Aktuelle Erkenntnisse aus dem Ariadne-Report ordnen die Entwicklungen wissenschaftlich ein.
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Mehr InformationenWarum viele Eigentümer derzeit verunsichert sind
Die Entscheidung für ein neues Heizsystem fällt vielen Eigentümern derzeit schwer. Kaum ein anderes Thema wurde in den vergangenen Jahren politisch so intensiv diskutiert wie die Wärmewende im Gebäudebestand. Der Wechsel vom Gebäudeenergiegesetz (GEG) zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG), geänderte Förderbedingungen und unterschiedliche politische Signale haben dazu geführt, dass viele Modernisierungsvorhaben zunächst aufgeschoben wurden.
Auch Martin Kutschka erlebt diese Unsicherheit täglich in seiner Beratung. „Es gibt eine sehr, sehr große Unsicherheit, welches Heizsystem gewählt werden soll“, berichtet er. Besonders die Kurzfristigkeit der jüngsten Förderanpassung bereitet ihm Sorgen.
„Vor Kurzem hieß es noch, die Förderung ist bis 2029 sicher. Wenige Tage später kam dann quasi über Nacht eine Änderung ohne Übergangsfrist – das sind keine Rahmenbedingungen, die für Verlässlichkeit sorgen."
Martin Kutschka Gründer febis Service GmbH
Die Zurückhaltung spiegelt sich auch in den Daten wider. Der aktuelle Fokusreport „Wärme und Wohnen“ des Kopernikus-Projekts Ariadne, der auf einer Befragung von rund 15.000 Haushalten im Herbst 2025 beruht, zeigt: Die energetische Sanierungsrate der Gebäudehülle im selbstgenutzten Wohneigentum lag 2025 bei 1,1 Prozent und damit weiterhin deutlich unter dem Ziel der Bundesregierung, sie bis 2030 auf 2 Prozent zu verdoppeln.
Noch deutlicher ist der Rückgang beim Heizungstausch selbst: Nachdem 2024 noch rund 5,1 Prozent der selbstnutzenden Eigentümer ihre Heizung erneuert hatten, waren es 2025 nur noch 3,4 Prozent. Der Markt ist also insgesamt geschrumpft.
Für Finanzierungsvermittler bedeutet diese Unsicherheit vor allem eines: Kunden benötigen heute mehr Orientierung als noch vor wenigen Jahren.
Gasheizung oder Wärmepumpe? Der Blick sollte langfristig erfolgen
Bei der Heizungsmodernisierung konzentrieren sich viele Eigentümer zunächst auf die Investitionskosten. Diese Betrachtung greift jedoch häufig zu kurz.
Hinzu kommt: Fossile Heizsysteme werden gar nicht mehr gefördert – das relativiert den scheinbar großen Preisunterschied bei der Anschaffung.
„So eine Gasbrennwertanlage, die kostet zehn- bis zwölftausend Euro, eine Wärmepumpe kostet dreißig. Wenn man die Förderung abzieht, liegen wir ungefähr bei fünfzehn-, sechzehntausend Euro. Das heißt, wir haben ein relativ geringes Investitionsdelta am Anfang.“
Martin Kutschka Gründer febis Service GmbH
Die Netzentgelte sind dabei ein Punkt, den viele Eigentümer unterschätzen: Je mehr Haushalte aus dem Gasnetz abwandern, desto weniger Anschlussnehmer teilen sich dessen Unterhaltskosten.
Hinzu kommt, dass Energieversorger ihre Gasnetze künftig stilllegen dürfen – mit einer Weiterbetriebspflicht von zehn Jahren, während eine heute eingebaute Gasheizung auf 20 Jahre Lebensdauer ausgelegt ist. Und drittens steigt die CO₂-Bepreisung weiter – eine Kostenposition, die beim Betrieb einer Wärmepumpe vollständig entfällt. „Ich fände es fahrlässig, eine Gasanlage zu installieren“, fasst Kutschka zusammen.
Diese Einschätzung deckt sich mit den Ergebnissen des Ariadne-Reports. Erstmals war die Wärmepumpe im Jahr 2025 die am häufigsten neu eingebaute Heiztechnik in Bestandsgebäuden und hat damit fossile Heizkessel überholt.
Wichtig für die Einordnung: Die Führungsposition kommt laut Report nicht durch mehr Wärmepumpen zustande, sondern durch den Einbruch bei den Kesseln. Deren Einbaurate halbierte sich von 3,0 Prozent (2024) auf 1,4 Prozent (2025), während die Wärmepumpe konstant bei 1,9 Prozent blieb. Im Gesamtbestand dominieren fossile Energieträger weiterhin klar: Im Panel heizten 2025 45,5 Prozent der Haushalte mit Gas und 13,2 Prozent mit Öl, aber nur 10,9 Prozent mit einer Wärmepumpe.
Funktioniert eine Wärmepumpe auch im Altbau?
Eine der häufigsten Fragen von Eigentümern lautet: Ist eine Wärmepumpe im Altbau überhaupt sinnvoll?
Die Antwort lautet: Ja – allerdings kommt es auf die richtige Planung an.
Eine Wärmepumpe arbeitet besonders effizient, wenn sie mit möglichst niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden kann. Der Grund ist einfach: Aus einer Kilowattstunde Antriebsstrom werden je nach Jahresarbeitszahl drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Springt an kalten Tagen dagegen der elektrische Heizstab an, weil die Vorlauftemperatur zu hoch angesetzt ist, wird eins zu eins mit Strom geheizt – bei rund 26 Cent im Wärmepumpentarif gegenüber etwa 11 Cent für Erdgas.
Genau hier entstehen die Negativbeispiele, die den Ruf der Technologie prägen. Kutschka berichtet aus seiner Zeit in der Energieberatung von Eigentümern, die nach dem Einbau doppelt so hohe Heizkosten hatten wie zuvor – bei 70 Grad Vorlauftemperatur und zu kleinen Heizkörpern.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Fußbodenheizung vorhanden sein muss. Je nach Gebäude reichen bereits größere Heizkörper, ein hydraulischer Abgleich oder einzelne Dämmmaßnahmen, um die Voraussetzungen deutlich zu verbessern.
Kutschka beschreibt die Optimierung als iterativen Prozess:
„Man sollte die Wärmepumpe nicht einbauen und es wird warm, sondern man sollte die niedrigstmögliche Vorlauftemperatur herausfinden, bei der es eben noch behaglich warm ist. Dann habe ich den wirtschaftlichsten Betrieb, den ich mit dieser Gebäudehülle fahren kann.“
Martin Kutschka Gründer febis Service GmbH
Auch der Ariadne-Report zeigt, dass Wärmepumpen inzwischen erfolgreich im Gebäudebestand eingesetzt werden. Die Einbaurate lag 2025 bei 1,9 Prozent – dem höchsten Wert seit Erhebungsbeginn 2021, der bereits im Vorjahr erreicht wurde.
Mythos: Eine Wärmepumpe funktioniert nur mit Fußbodenheizung
Diese Annahme hält sich hartnäckig – entspricht jedoch nicht der Praxis. Ein einfacher Selbsttest hilft weiter: die Vorlauftemperatur im Herbst oder Winter probeweise auf maximal 55 Grad absenken und prüfen, ob es im Wohnbereich noch angenehm warm wird.
Je nach Gebäude können verschiedene Maßnahmen die Effizienz einer Wärmepumpe verbessern:
- größere oder Niedertemperatur-Heizkörper einsetzen, vor allem im Wohn- und Essbereich
- hydraulischen Abgleich durchführen – er senkt die nötige Vorlauftemperatur um drei bis vier Grad
- Heizlastberechnung raumweise erstellen und die Anlage korrekt dimensionieren
- Kellerdecke oder Spitzboden dämmen – schnell amortisierende Maßnahmen mit rund 20 Prozent Einsparung
- Flächenheizung an Wand oder Decke nachrüsten
Gerade die Kombination mehrerer kleiner Maßnahmen kann den wirtschaftlichen Betrieb einer Wärmepumpe deutlich verbessern.
Wärmepumpen können langfristig Heizkosten senken
Neben der technischen Eignung spielt für Eigentümer vor allem die Wirtschaftlichkeit eine Rolle.
Hier liefert der aktuelle Ariadne-Report klare Ergebnisse: Haushalte mit Wärmepumpe weisen im Median Heizkosten von 12,20 Euro pro Quadratmeter und Jahr auf. Gasheizungen liegen bei 16,20 Euro, Ölheizungen bei 17,10 Euro und Fernwärme bei 20,90 Euro pro Quadratmeter. Über alle Energieträger hinweg lag der Wert bei 17,00 Euro.
Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass diese Unterschiede auch strukturell bedingt sind: Wärmepumpen kommen häufiger in energetisch effizienteren Gebäuden und in größeren Wohneinheiten zum Einsatz (Median 135 Quadratmeter), Fernwärme dagegen überwiegend in kleineren Mietwohnungen (Median 80 Quadratmeter). Dennoch zeigen die Daten, dass moderne Heizsysteme erheblich zur Senkung der laufenden Energiekosten beitragen können – zumal die Wärmepumpenkosten 2025 mit 11,7 Prozent am stärksten von allen Energieträgern zurückgingen.
Fördermittel: Warum sich frühes Handeln lohnen kann
Neben den Betriebskosten spielen Förderprogramme weiterhin eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für eine Heizungsmodernisierung. Allerdings ändern sich die Rahmenbedingungen regelmäßig – und die jüngste Anpassung Anfang August 2026 fällt spürbar aus.
Was sich bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) geändert hat:
- Die Bemessungsgrenze im Einfamilienhaus, also die maximal förderfähige Investitionssumme, sinkt von 30.000 auf 28.000 Euro. Sie wird künftig zum 1. Februar und zum 1. August um jeweils 750 Euro weiter abgesenkt – bis auf 22.000 Euro im August 2030.
- Der Klimageschwindigkeitsbonus fällt von 20 auf 16 Prozent und sinkt halbjährlich um weitere vier Prozentpunkte. Im August 2028 läuft er vollständig aus.
- Die soziale Staffelung wurde ausgeweitet: Bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen unter 30.000 Euro gibt es künftig 40 Prozent Einkommensbonus, bis 40.000 Euro weiterhin 30 Prozent, neu bis 50.000 Euro zusätzlich 10 Prozent. Je minderjährigem Kind im Haushalt reduziert sich das anzurechnende Einkommen um 10.000 Euro. In der Spitze sind damit bis zu 80 Prozent Zuschuss möglich – bezogen auf die abgesenkte Bemessungsgrenze.
Für die Beratung heißt das: Die Förderung ist durchgehend degressiv ausgestaltet. Wer wartet, bekommt weniger. Kutschkas Rat an modernisierungswillige Eigentümer fällt entsprechend knapp aus: „Nicht lange warten, sondern starten.“
Ebenso wichtig ist es, alle erforderlichen Nachweise fristgerecht einzureichen. febis stellt nach eigenen Angaben jährlich rund 10.000 Förderanträge für Wärmepumpen und Gebäudehülle – und sieht dabei ein Problem klar an erster Stelle: „Das Schlimmste aller Fehler, den man machen kann, ist das Versäumen von Fristen.“
Konkret: Wer nach Bezahlung der letzten Rechnung den Verwendungsnachweis nicht fristgerecht einreicht, verliert den Zuschuss vollständig. Häufig würden Anträge zudem gar nicht erst gestellt, weil vielen Eigentümern nicht bekannt sei, dass auch Haustür, Dachflächenfenster oder Wintergarten zu den förderfähigen Maßnahmen an der Gebäudehülle zählen.
Die häufigsten Fehler bei der Heizungsmodernisierung
Eigentümer können viele typische Probleme vermeiden, wenn sie ihre Modernisierung sorgfältig vorbereiten.
Häufige Fehler sind:
- ausschließlich auf die Anschaffungskosten zu schauen
- Fördermöglichkeiten nicht vollständig auszuschöpfen
- Fristen für Förderanträge oder Verwendungsnachweise zu versäumen
- auf eine Heizlastberechnung zu verzichten
- die Wärmepumpe zu groß zu dimensionieren – wer die 20-kW-Gasheizung eins zu eins durch eine 20-kW-Wärmepumpe ersetzt, riskiert Taktbetrieb und eine kürzere Lebensdauer
- notwendige Begleitmaßnahmen wie hydraulischen Abgleich oder Heizkörperanpassungen nicht einzuplanen
Eine frühzeitige Beratung hilft dabei, diese Fehler zu vermeiden und die Wirtschaftlichkeit der Investition realistisch einzuschätzen.
Was Finanzierungsvermittler ihren Kunden jetzt mitgeben können
Nicht jeder Vermittler muss Heiztechnik im Detail erklären. Er sollte jedoch die wichtigsten Entwicklungen kennen, um Modernisierungsvorhaben realistisch einordnen zu können. Wer die degressive Förderlogik, die langfristigen Betriebskosten und die grundsätzliche Eignung einer Wärmepumpe im Bestand anspricht, schafft Orientierung und kann Kunden frühzeitig an passende Energieberater oder Fachbetriebe verweisen.
So wird aus einer Finanzierungsberatung eine ganzheitliche Begleitung rund um die Immobilienmodernisierung – ein Mehrwert, der in einem zunehmend komplexen Markt an Bedeutung gewinnt.
Fazit
Die Diskussion rund um Wärmepumpen wird häufig emotional geführt. Gleichzeitig zeigen sowohl die Praxiserfahrungen aus der Energieberatung als auch aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen ein differenziertes Bild.
Eine Wärmepumpe ist nicht automatisch für jedes Gebäude die richtige Lösung. Mit einer sorgfältigen Planung, realistischen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und passenden Begleitmaßnahmen kann sie jedoch gerade im Gebäudebestand eine zukunftsfähige Alternative sein.
Gerade in einem Markt, in dem politische Rahmenbedingungen und Förderprogramme regelmäßig angepasst werden, gewinnen Finanzierungsvermittler als Orientierungspartner zusätzlich an Bedeutung. Wer Finanzierung, Förderung und energetische Modernisierung gemeinsam denkt, kann seine Kunden langfristig besser begleiten.
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Weitere InformationenQuellen
- Interview mit Martin Kutschka, febis Service GmbH, Podcast Fundament und Finanzen von Wohnen und Finanzieren, veröffentlicht am 04.08.2026.
- Anton Knoche, Kathrin Kaestner, Jan Büchel, Andreas Gerster, Manuel Frondel, Ralph Henger, Christian Oberst, Michael Pahle, Puja Singhal (Juli 2026): Fokusreport Wärme und Wohnen: Zentrale Ergebnisse aus dem Ariadne Wärme- & Wohnen-Panel 2025. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam. https://doi.org/10.48485/pik.2026.18
Angaben zu Förderkonditionen entsprechen dem Stand vom 21.07.2026 und sollten vor einer Antragstellung geprüft werden.
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